Hl. Angelus von Acri             


31. Oktober

Priester, I. Orden
* 1669 Acri/Cosenza,  + 1739 Acri

 

Angelus wurde am 19. Oktober 1669 in Acri (Cosenza) geboren. Mit 18 Jahren entschloss er sich, Kapuziner zu werden. Zweimal jedoch verließ er das Noviziat, weil ihn Zweifel, Unsicherheit und Zwangsvorstellungen plagten. Das dritte Mal erhielt er Sicherheit. Er wurde zum Priester geweiht und wirkte als Prediger fruchtbar für das Heil der Menschen. Sein beständiges Gebet und seine Lebensstrenge sind die schönste Bestätigung dessen, was er voll Eifer den Gläubigen einprägte. Als Provinzoberer hieß er wegen der Art seiner Leitung „Engel des Friedens“.
Nach 38 Jahren unermüdlicher apostolischer Arbeit verschied er am 30. Oktober 1739 in Acri, wo sein Leib in der großen Wallfahrtskirche ehrfürchtig aufbewahrt wird. Papst Leo XII. hat ihn 1825 selig und Papst Franziskus 2017 heiliggesprochen.

Eröffnungsvers     Vgl. Ps 24,5-6
Die Heiligen haben Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, ihrem Helfer. Sie waren Menschen, die Gott suchten.

Tagesgebet
Gott, du hast dem seligen Angelus von Acri
     die Gnade geschenkt,
durch das Beispiel seines Lebens
     und durch das Apostolat der Predigt
die Sünder zur Umkehr zu rufen.
Schenke auch uns Reue und Umkehr,
     damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung     Phil 3,8-14
Ich habe alles aufgegeben, um Christus zu gewinnen.

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper.

Brüder und Schwestern!
Ich sehe alles als Verlust an,
weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn,
     alles übertrifft.
Seinetwegen habe ich alles aufgegeben
     und halte es für Unrat,
um Christus zu gewinnen
     und in ihm zu sein.

Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich,
     die aus dem Gesetz hervorgeht,
sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt,
die Gerechtigkeit,
     die Gott aufgrund des Glaubens schenkt.

Christus will ich erkennen
und die Macht seiner Auferstehung
und die Gemeinschaft mit seinen Leiden;
sein Tod soll mich prägen.
So hoffe ich,
     auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.

Nicht dass ich es schon erreicht hätte
oder dass ich schon vollendet wäre.
Aber ich strebe danach, es zu ergreifen,
weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.

Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein,
     dass ich es schon ergriffen hätte.
Eines aber tue ich:
Ich vergesse, was hinter mir liegt,
     und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis:
der himmlischen Berufung,
     die Gott uns in Christus Jesus schenkt.

Antwortpsalm     Ps 34,2-9
R
  Der Herr ist nahe denen, die ihn suchen. – R

Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen.
– (R)

Verherrlicht mit mir den Herrn, *
lasst uns gemeinsam seinen Namen rühmen.
Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört, *
er hat mich all meinen Ängsten entrissen.
– (R)

Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten, *
und ihr braucht nicht zu erröten.
Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn. *
Er half ihm aus all seinen Nöten.
– (R)

Der Herr beschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, *
und er befreit sie.
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; *
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!
– R

Ruf vor dem Evangelium     Vers: Joh 15,15
Halleluja. Halleluja.
So spricht der Herr:
Ich habe euch Freunde genannt;
denn ich habe euch alles mitgeteilt,
was ich von meinem Vater gehört habe.
Halleluja.

Evangelium     Joh 15,9-17
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.

✠  Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wie mich der Vater geliebt hat,
     so habe auch ich euch geliebt.
Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet,
     werdet ihr in meiner Liebe bleiben,
so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe
     und in seiner Liebe bleibe.

Dies habe ich euch gesagt,
     damit meine Freude in euch ist
     und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot:
Liebt einander,
     so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe,
     als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.


Ihr seid meine Freunde,
     wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte;
denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.
Vielmehr habe ich euch Freunde genannt;
denn ich habe euch alles mitgeteilt,
     was ich von meinem Vater gehört habe.

Nicht ihr habt mich erwählt,
sondern ich habe euch erwählt
     und dazu bestimmt,
     dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt
und dass eure Frucht bleibt.
Dann wird euch der Vater alles geben,
     um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf:
     Liebt einander!

Fürbitten
V
  Zum Herrn Jesus Christus, der uns in seine Nachfolge berufen hat, lasset uns beten:
V/A  Christus, erbarme dich.

-  Um evangelischen Geist und um prophetischen Einsatz für die Aufgaben unserer Zeit: Lasset zum Herrn uns beten.

-  Um Einheit und Frieden in der Kirche, um wahre Freiheit für die Verkündigung des Glaubens: Lasset zum Herrn uns beten.

-  Um Gerechtigkeit für alle Menschen, um Frieden und Sicherheit für unsere Zeit: Lasset zum Herrn uns beten.

-  Um Mut und Kraft zum Leben, um Hoffnung und Trost auch in schweren Stunden: Lasset zum Herrn uns beten.

Ewiger Gott, du hast uns erschaffen und durch deinen Sohn Jesus Christus erlöst, du hältst unser Leben in deinen Händen. Verlass uns nicht und hilf uns, jetzt und alle Zeit.

A  Amen.

Gabengebet
Nimm an, o Herr, unsere Gaben,
     die wir am Gedenktag des seligen Angelus
     dir darbringen.
Befreie uns von der Macht jeglicher Verführung,
     damit wir reich werden durch dich, unser einziges Gut.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Von den Hirten der Kirche

Kommunionvers     Ps 34,9
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist;
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet.

Schlussgebet
Herr und Gott,
durch das Licht und die Kraft dieses Sakramentes
führst du uns die Wege deiner Liebe.
Festige das Werk, das du in uns begonnen hast,
und vollende es
bis zum Tag unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

 

Anhang

Ein Wort des seligen Angelus von Acri:

Es ist eine große Gnade und Ehre, Kapuziner und wahrer Sohn des heiligen Franziskus zu sein. Aber man muss fünf kostbare Edelsteine kennen und beständig mit sich tragen, nämlich Lebensstrenge, Einfachheit, genaue Beobachtung der Satzungen und der Regel des heiligen Franziskus, Lauterkeit des Lebens und Liebe ohne Maß.

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Sel. Angelus von Acri

 

LESEHORE

Commune: Hirten der Kirche
oder Ordensleute

 

ZWEITE LESUNG

Aus einem Brief des heiligen Angelus von Acri.

Mit der Wissenschaft muss immer Demut verbunden sein.

Durch den Brief, den ich von Ihrer verehrten Paternität erhalten habe, wird mir bewusst, dass unser Geist sich gern in theoretischen Gedanken entfaltet, aber kaum oder nur wenig unseren Willen entflammt, eingedenk dessen, was der heilige Paulus sagt: „Strebt nicht über das hinaus, was euch zukommt, jeder strebe nach dem Maß, das Gott ihm zuteilt.“1 So leben und sterben wir also nach den praktischen Übungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und indem wir Buße tun. „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.“2

Sie, verehrter Freund, sind verwirrt auf diesem tiefsten Grund der Demut, denn das Notwendigste ist an und für sich die Demut des Geistes. Christus begann zu wirken und zu lehren: „Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“3  „Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.“4  „Und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“5

Der göttliche Meister Christus gab uns Christen die Form, wie wir in Armut und in der Demut des Geistes handeln sollten: „Vater, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst soll geschehen.“6 „Und er ist seiner Ehrfurcht wegen erhört worden“7, denn er wusste, was Gehorsam bedeutete.

Auch seine heiligst
e Mutter verdiente es, dass Gott Vater sie zur Mutterschaft seines eingeborenen Sohnes über alles erhob. Ob der Ehre, die natürliche Mutter von Jesus Christus zu sein, rief sie selber voll des Heiligen Geistes aus: „Meine Seele preist die Größe des Herrn. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Er stürzt die Mächtigen vom Thron.8 Und dem göttlichen Boten antwortete sie: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“9

Wenn Sie ihren Geist dort beruhigen wollen, wo die wahre Demut herrscht, dann streben Sie ja nicht nach ihrer eigenen Ehre, sondern handeln in allem nach den Zehn Geboten Gottes, nach den Vorschriften unserer Mutter, der heiligen Kirche, nach den Versprechen, die Sie Gott mit Ihrem Gelübde gemacht haben, nach den Räten, die die Kirche uns nach dem heiligen Evangelium gibt. Im Übrigen gleichen Sie sich in allem dem an, was Gott will, und mit der Freude des Herzens und in Wahrheit werden Sie sagen: „Vater unser, der du bist im Himmel; dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.“10 Von meiner Seite aus kann ich Ihnen nicht noch mehr helfen, außer durch die Hilfe unserer Gebete und unserer Opfer. Bittet für mich bei Gott, dass er mir Standhaftigkeit bis zum Tode schenke.

Und ich füge in aller Aufrichtigkeit hinzu: Verkehren Sie mit mir, so wie es Gott Ihnen eingibt. Gott befiehlt nichts Unmögliches, sondern indem er befiehlt, ermahnt er nur zu tun, was du kannst, und zu erbitten, was du nicht kannst. Er hilft, dass du es zustande bringst, er macht stark und lässt dich nicht fallen, und nie verlässt er dich, wenn er nicht selbst vorher verlassen wird.

1  Vgl. Röm 12,3     2  Vgl. Phil 4,7  
3  Joh  6,38   
 4  Lk  6,12
5  Lk 22,44   
 6  Mk 14,36  
Hebr 5,7      Lk 1,46.48.52  
9  Lk 1,38     10  Vgl. Mt 6,9-10


Quellenangabe: 
Beati Angeli ab Acrio duae litterae ineditae cum aliis de eodem  me- moriis, in: Analecta Ordinis Minorum Capuccinorum, Romae 1904, 313-317.

Responsorium
R
  Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi alles übertrifft; * Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden.
Von der Liebe Christi geleitet, wollen wir uns an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. * Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden.

Oration
Gott, du hast dem heiligen Angelus von Acri die Gnade geschenkt, durch das Beispiel seines Lebens und durch das Apostolat der Predigt die Sünder zur Umkehr zu rufen. Schenke auch uns Reue und Umkehr, damit wir das ewige Leben erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Kontakt

bernhard.frei@kapuziner.org