SEL. MARGUERITE BAYS          


27. Juni

Jungfrau, III. Orden
* 1815 La Pierraz, + 27. Juni 1879

 

Marguerite Bays, geboren am 8. September 1815 in La Pierraz bei Siviriez (Diözese Fribourg-Lausanne-Genève), war von Beruf Näherin. Sie gehörte dem Dritten Orden des heiligen Franziskus an, zeichnete sich durch große Frömmigkeit und einen dienstfreudigen Charakter aus sowie durch Demut und feinfühlige Nächstenliebe. Nachdem sie am 8. Dezember 1854 von einem Krebsleiden geheilt worden war, trug sie fortan in Vereinigung mit dem sterbenden Erlöser mystische Leiden.
Sie starb am 27. Juni 1879 an ihrem Geburtsort im Ruf der Heiligkeit. Papst Johannes Paul II. hat sie am 29. Oktober 1995 seliggesprochen.

Eröffnungsvers    Mt 25,34
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
nehmt das Reich in Besitz,
das seit Anfang der Welt für euch bestimmt ist.

Tagesgebet
Herr unser Gott,
du hast den Christen im Laienstand
     in der seligen Marguerite Bays
     ein Vorbild tätiger Liebe geschenkt.
Gib, dass auch wir uns der Kinder,
     sowie der Kranken und Armen liebevoll annehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung     1 Kor 13,4-13
Die Liebe hört niemals auf.

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.

Brüder und Schwestern!
Die Liebe ist langmütig,
die Liebe ist gütig.
Sie ereifert sich nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig,
sucht nicht ihren Vorteil,
lässt sich nicht zum Zorn reizen,
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht,
     sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles,
glaubt alles,
hofft alles,
hält allem stand.

Die Liebe hört niemals auf.
Prophetisches Reden hat ein Ende,
     Zungenrede verstummt,
     Erkenntnis vergeht.
Denn Stückwerk ist unser Erkennen,
     Stückwerk unser prophetisches Reden;
wenn aber das Vollendete kommt,
     vergeht alles Stückwerk.

Als ich ein Kind war,
     redete ich wie ein Kind,
     dachte wie ein Kind
     und urteilte wie ein Kind.
Als ich ein Mann wurde,
     legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt schauen wir in einen Spiegel
     und sehen nur rätselhafte Umrisse,
dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt erkenne ich unvollkommen,
     dann aber werde ich durch und durch erkennen,
     so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen
     ist die Liebe.

Antwortpsalm     Ps 57,8-12
R Gottes Güte kennt keine Grenzen. – R

Erheb dich über die Himmel, o Gott! *
Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.
Mein Herz ist bereit, o Gott, †
mein Herz ist bereit, *
ich will dir singen und spielen.
– (R)

Wach auf, meine Seele, †
wacht auf, Harfe und Saitenspiel! *
Ich will das Morgenrot wecken.
Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr, *
dir vor den Nationen lobsingen.
– (R)

Denn deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, *
deine Treue, soweit die Wolken ziehn.
Erhebe dich über die Himmel, o Gott, *
deine Herrlichkeit über die ganze Erde.
– R

Ruf vor dem Evangelium     Vers: Mt 25,40
Halleluja. Halleluja.
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.
Halleluja.

Evangelium     Mt 25,31-40
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.

Evangelium
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, 
das habt ihr mir getan.


✠  Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt,
     und alle Engel mit ihm,
dann wird er sich auf den Thron
     seiner Herrlichkeit setzen.
Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden,
und er wird sie voneinander scheiden,
     wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln,
     die Böcke aber zur Linken.

Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen:
     Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
nehmt das Reich in Besitz,
     das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
Denn ich war hungrig,
     und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig,
     und ihr habt mir zu trinken gegeben;
ich war fremd und obdachlos,
     und ihr habt mich aufgenommen;
ich war nackt,
     und ihr habt mir Kleidung gegeben;
ich war krank,
     und ihr habt mich besucht;
ich war im Gefängnis,
     und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten:
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
     und dir zu essen gegeben,
oder durstig
     und dir zu trinken gegeben?
Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen
     und aufgenommen,
oder nackt
     und dir Kleidung gegeben?
Und wann haben wir dich krank
     oder im Gefängnis gesehen
     und sind zu dir gekommen?

Darauf wird der König ihnen antworten:
     Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
     das habt ihr mir getan.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du liebst die, die du in deine Nachfolge rufst und gibst ihnen Anteil am Kelch deines Leidens. Wir bitten dich:
V/A  Wir bitten dich, erhöre uns.

-  Schenke deiner Kirche auch heute Frauen und Männer, die deine Liebe und Menschenfreundlichkeit in unsere Welt tragen.

-  Gib allen Christen den Mut und die Kraft, dein Evangelium als frohe Botschaft lebendig zu bezeugen.

-  Mache uns aufmerksam, gib uns Verständnis für die Not der leidenden Mitmenschen und verleihe uns Kraft, ihnen hilfreich beizustehen.

-  Schenke uns die Gnade, auf deine Verfügungen immer bereitwilliger einzugehen und in allen Lagen auf dich zu vertrauen.


Gütiger Gott, auf die Fürsprache der seligen Marguerite erhöre unsere Bitten. Wir preisen dich, Vater, mit dem Sohn und dem Heiligen Geist in Ewigkeit.
A  Amen.

Gabengebet
Vater im Himmel,
sieh mit Wohlgefallen auf die Gaben,
die wir dir im Namen deiner Kirche bereitet haben.
Wie die selige Marguerite
dir in einem Leben der Hingabe gedient hat,
so hilf auch uns durch die Kraft dieser heiligen Feier,
in deiner Gegenwart zu wandeln
und Zeugen deiner Liebe zu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Präfation     Von den Heiligen II

Kommunionvers    Vgl. Mk 8,34
Es folge mir nach, wer mein Jünger sein will;
er verleugne sich selbst
und nehme sein Kreuz auf sich.


Schlussgebet
Ewiger Gott,
in dieser Feier hast du uns
     Anteil an deinem göttlichen Leben geschenkt.
Bewahre uns zusammen mit der seligen Marguerite
     in deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

 


Sel. Marguerite Bays
III. Orden
Näherin, Mystikerin

 

LESEHORE

Commune: Jungfrauen

 

ZWEITE LESUNG

Aus dem Zeugnis von Celine Sudan von Siviriez über die selige Marguerite.

Ihr Umgang war einfach und ohne Gefallsucht.

Wie soll man über so viele Tugenden etwas erzählen, die in intimster Verborgenheit und größter Bescheidenheit gelebt wurden. Dazu musste man für einen Augenblick den Schleier der Demut lüften, der so viele Tugenden, Bußübungen und Abtötungen verbarg, für die nur Gott und seine Engel Zeugen sind.

Seit ihrer Kindheit zeichnete sie sich durch große Frömmigkeit aus. Sie verschmähte es nicht, an den Spielen ihrer Altersgenossen teilzunehmen; dennoch zog sie es vor, sich zu frommer Lektüre und zum  Gebet zurückzuziehen.

Ihre bevorzugten Freizeitbeschäftigungen an Sonnund Feiertagen bestanden im Besuch des Allerheiligsten, in der Kreuzwegandacht und in einem Pilgergang zu „Notre Dame des Bois” oder „de la Solitude”, zehn Minuten von La Pierraz entfernt.

Nie sah man sie verdrießlich oder schlecht gelaunt; sie war im Gegenteil gutmütig und zu allen dienstfertig. Ihr Umgang war einfach und ohne Gefallsucht, immer freundlich und liebenswürdig. Was ihr aber alle Herzen eroberte, waren ihre vortreffliche Einfachheit und ihr kindliches Vertrauen, das sie ausstrahlte, ganz besonders ihre Bescheidenheit und ihre große Demut, die alles zurückwies, was irgendeinem Lob gleichgekommen wäre.

Ihre Liebe zu den Mitmenschen war so glühend, dass sie diese Tugend, die Gott so angenehm ist, nie verletzte. Wenn jemand in ihrer Gegenwart Kritik und Tadel über einen Mitmenschen zu äußern wagte, versäumte sie es nie, den Verleumder zum Schweigen zu bringen oder die Unterhaltung in andere Bahnen zu lenken.

Ihre aufrichtige Frömmigkeit flößte den Bedrückten, die sie kannten, so viel Vertrauen ein, dass sie bei ihr Rat suchten und um ihr Gebet baten. Viele Leute beauftragten sie auch mit Wallfahrten nach Maria Einsiedeln, und jene, die selbst die Wallfahrt machten, suchten alle ihre  Begleitung.

Man sagt, ein Arzt habe sie einer schmerzhaften Operation unterzogen und sie ohne Beistand und Pflege gelassen. In ihrer traurigen Lage empfahl sie sich der Gottesmutter und legte die wunderbare Medaille auf die Wunde. So wurde sie am Fest Maria Unbefleckte Empfängnis 1854 geheilt.

Seit dieser Zeit erhielt sie Anteil am Leiden Christi, zuerst alle Freitage in der Fastenzeit, dann alle Freitage des Jahres, vom Donnerstag bis Freitag, von Mitternacht zu Mitternacht, und am Karfreitag nachmittags um drei Uhr schien sie tot zu sein.


Quellenangabe:
Celine Sudan von Siviriez, Aus dem Zeugnis über die sel. Marguerite Bays: Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz, in:
https://www.liturgie.ch/liturgiepraxis/direktorium/dioezesanproprien.

RESPONSORIUM
Meiner Schwachheit rühme ich mich. * So kommt die Kraft Christi über mich.
Was schwach ist vor der Welt, hat Gott auserwählt, um das Starke zu beschämen. * So kommt die Kraft Christi über mich.

Oration
Herr unser Gott, du hast den Christen im Laienstand in der seligen Marguerite Bays ein Vorbild tätiger Liebe geschenkt. Gib, dass auch wir uns der Kinder sowie der Kranken und Armen liebevoll annehmen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
 

Anhang

1855 erhielt sie durch die fünf Wunden Jesu Anteil am Leiden des Herrn. 

„Meiner Schwachheit rühme ich mich. So kommt die Kraft Christi über mich. Was schwach ist vor der Welt hat Gott auserwählt, um das Starke zu beschämen.“ (vgl. 1 Kor 1,27)

Ein kostbares Erinnerungszeichen
daran ist das folgende Gebet,
das sie selber verfasst hat:

O heiliges Opferlamm
ziehe mich an Dich.
Wir wollen den Weg
gemeinsam gehen.
Dass ich mit Dir leide,
ist billig und recht,
achte nicht
auf mein Widerstreben.

Ich möchte
an meinem Leibe ergänzen,
was an Deinen Leiden fehlt.
Ich umfange das Kreuz
und will mit Dir sterben.
In deiner heiligen Seitenwunde
möchte ich
meinen letzten Atemzug tun.

 

Kontakt

bernhard.frei@kapuziner.org