Hl. Felix von Nicosia             


2. Juni

Ordensmann, I. Orden
* 1715 Nicosia,  + 1787 Nicosia

 


Giacomo Antonio (Jakob Anton) Amoruso wurde
am 5. November 1715 als Sohn
eines Schuhmachers in Nicosia, Sizilien, geboren.
Mit 28 Jahren trat er bei den Kapuzinern ein,
nachdem er mehrmals abgewiesen worden war.
Er erhielt den Namen Felix. In Mistretta (Messina) machte er das Noviziat und legte 1744 die Profess ab.
Danach kehrte er in seine Heimatstadt zurück
und sammelte über vierzig Jahre lang Almosen
für sein Kloster und für die Armen,
die ihm sehr am Herzen lagen.
Bei der Bevölkerung genoss er hohe Verehrung.
1787 starb er im Ruf der Heiligkeit. 
1888 erhob ihn Papst Leo XIII. zum Seligen
und 2005 sprach ihn 
Benedikt XVI. heilig.

 

Eröffnungsvers     Ps 16,5
Du, Herr, gibst mir das Erbe
und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.

 

Tagesgebet
Herr und Gott
du hast den heiligen Bruder Felix von Nicosia gelehrt,
     sein Herz zu dir hin zu lenken
     und dir in Einfalt und Demut zu dienen.
Verleihe uns gnädig,
     dass wir auf Erden sein Beispiel nachahmen,
um auch an seiner Herrlichkeit im Himmel   
     Anteil zu erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung     1 Kor 1,26-31
Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn.

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.

Brüder und Schwestern, seht doch auf eure Berufung!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
     um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
     um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
     um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.

Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
     den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.

Wer sich also rühmen will,
     der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.

Antwortpsalm     Ps 16,1-2.5.7-9.11
R  Du Herr, bist mein Anteil und Erbe.

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. †
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; *
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; *
du hältst mein Los in deinen Händen.
– (R)

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. *
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen. *
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.
– (R)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; *
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben. †
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, *
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit
. – R

Ruf vor dem Evangelium     Vers: Mt 11,25
Halleluja. Halleluja.
Ich preise dich, Vater,
Herr des Himmels und der Erde,
weil du all das den Weisen und Klugen verborgen,
den Unmündigen aber offenbart hast.
Halleluja.

Evangelium     Lk 11,9-13
Wer anklopft, dem wird aufgetan.

  Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit
     sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Bittet, dann wird euch gegeben;
sucht, dann werdet ihr finden;
klopft an, dann wird euch geöffnet.

Denn wer bittet, der empfängt;
wer sucht, der findet;
und wer anklopft, dem wird geöffnet.

Oder ist unter euch ein Vater,
     der seinem Sohn eine Schlange gibt,
     wenn er um einen Fisch bittet,
oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?

Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid,
     euren Kindern gebt, was gut ist,
wieviel mehr wird der Vater im Himmel
     den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Fürbitten
Himmlischer Vater, du hast uns Bruder Felix wegen seiner Demut und Liebe zum Vorbild gegeben. Wir bitten dich:
V/A  Wir bitten dich, erhöre uns.

-  Dein Geist erneuert die Kirche. Gib ihr neues Leben durch junge Menschen, die an ihr mitbauen.

-  Erhalte in deiner Kirche den Geist der Armut und Demut und stärke uns in der Bereitschaft zum Dienst an den Armen.

-  Du vertraust uns die Sorgen und Nöte vieler Menschen an. Erhöre unser Gebet, mit dem wir für sie einstehen.

-  Schenke unsern Ordensgemeinschaften nach dem Vorbild des heiligen Felix franziskanische Brüder und Schwestern.

Guter Gott, du erhöhst jene, die demütigen Herzens sind. Vollende an uns das Werk deiner Gnade durch Jesus Christus, unsern Herrn.

A  Amen.

Gabengebet
Guter Gott,
wir legen die Gaben, die du uns geschenkt hast,
     auf den Altar.
Wie dem heiligen Felix gewähre auch uns,
     dir mit aufrichtigem und frohem Herzen zu dienen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Präfation     von den Ordensleuten

Kommunionvers     Vgl. Lk 9,13b
Der Vater im Himmel
gibt den Heiligen Geist denen,
die ihn darum bitten.


Schlussgebet
Herr, du hast deine Gläubigen
am Gedenktag des heiligen Felix
     mit dem Sakrament
     des Leibes und Blutes deines Sohnes gestärkt.
Gib, dass wir allzeit an guten Werken zunehmen
und durch das Geschenk deiner Gnade
     zum Empfang des himmlischen Lohnes bereitet werden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn.


Anhang

Als Sammelbruder erfuhr Felix selber die Armut und wusste sich verbunden mit den Armen. Über die Armen sagte der hl. Felix: „Die Armen sind Jesus Christus in Person. Darum sollen wir sie in Ehren halten. In den Bedürftigen und Kranken müssen wir Gott schauen und ihnen nach unseren Kräften mit ganzer Liebe des Herzens beistehen. Suchen wir kranke Arme mit liebevollen Worten zu trösten und ihnen möglichst bald Hilfe zu bringen! Hören wir nie auf, Menschen, die vom rechten Weg abgeirrt sind, in kluger und liebender Weise zurechtzuweisen.“

Groß war seine Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten und der Unbefleckten Jungfrau, ebenso groß war seine Verehrung für seinen Ordensvater Franziskus. -
Papst Benedikt XVI. hielt in seiner Predigt am Tag der Heiligsprechung, dem 23. Oktober 2005, fest: „Der hl. Felix von Nicosia liebte es, bei jeder freudigen oder traurigen Gelegenheit zu sagen: ,Es geschehe aus Liebe zu Gott!` So können wir gut verstehen, wie intensiv und konkret in ihm die Erfahrung der Liebe Gottes war, die in Christus den Menschen offenbart wurde“.


Nicosia und sein Heiliger
Fra Felice berührt heute noch die Herzen in seiner Heimatstadt Nicosia.
Es ist tröstlich zu wissen, dass nicht nur Eroberer und Helden,
Künstler und Honoratioren Denkmäler bekommen.
Auch stille Heilige, unbekannte Arbeiter und gefallene Soldaten,
Mütter und alte Menschen prägen eine Stadt, ein Haus.


Sel. Felix von Nicosia
mit Jesuskind

 

 

LESEHORE

Commune: Ordensleute



ZWEITE LESUNG

Aus dem Brief des heiligen Bonaventura über fünfundzwanzig  Denkwürdigkeiten.

Kommt alle zu mir, ich werde euch Ruhe verschaffen.

„Kommt alle zu mir“, sagt Jesus, „die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen.“1 O Herr, wen meinst du? Wen rufst du zu dir? Was hast du gemein mit uns? O wahrhaftige Stimme der Güte: „Kommt zu mir, ich werde euch Ruhe verschaffen.“ O wunderbare Herablassung unseres Gottes, o unaussprechliche Liebe! Wer hat solches je getan? Wer hat so etwas je gehört, wer hat je dergleichen gesehen? Siehe, er lädt die Feinde ein, ermutigt die Schuldigen, zieht die Undankbaren an sich. „Kommt zu mir und lernt von mir; nehmt mein Joch auf euch und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“2 O süßeste Worte, o sanfteste Worte, o göttliche Worte, „durchdringender als jedes zweischneidige Schwert“, Worte, die das Innerste des Herzens erweichen und, erfüllt von überfließender Süßigkeit, „bis zur Scheidung von Seele und Geist vordringen!“3

O christliche Seele, wach also auf zur Liebe von so großer Güte, zum Verkosten solcher Süßigkeit und zum Wohlgeruch solcher Lieblichkeit. Wer solchen Dingen gegenüber unempfindlich bleibt, ist wirklich krank, gestört und dem Tode nah. Entflamme dich, ich bitte dich, meine Seele, bereichere dich, werde sanft in der Barmherzigkeit deines Gottes, in der Milde deines Gottes, in der Liebe deines Bräutigams! Entbrenne in der Wärme deines Geliebten, weite dich in seiner Liebe und werde süß in seinem Geschmack; niemand hindere dich einzutreten, zu ergreifen, zu kosten!

Was suchen wir noch, was erwarten wir, was wünschen wir? Darin allein haben wir alle guten Gaben. Aber o weh, wie verwunderlich ist unsere Dummheit! O bemitleidenswerte Krankheit! O verabscheuungswürdige Torheit! Wir sind zur Ruhe gerufen und folgen der Mühe; wir sind eingeladen zur Erleichterung und suchen den Schmerz;  es wird uns Freude verheißen und wir wünschen das Leid. Wahrhaft erbärmliche Krankheit und Verirrung! Wir sind wirklich unempfindlich geworden und schlechter als Götzen, wir haben Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht,
4 einen Verstand und begreifen nicht, indem wir „das Bittere süß und das Süße bitter machen“5.

O Gott, von woher wird Besserung aus so großer Verirrung kommen, woher die Wiedergutmachung einer so großen Beleidigung? Man findet gewiss nichts von dem in uns, wenn es uns nicht durch dein großes Geschenk angeboten wird. Du allein kannst uns bessern, du allein kannst für unsere Vergehen Genugtuung leisten, du allein bist es, der unseren Schmutz kennt, du bist unsere Rettung und Erlösung, der du allein solches in denen wirkst, die sich elend am Boden liegen sehen und darauf hoffen, von dir aufgehoben zu werden.

Erheben wir also die Augen unseres Geistes geradewegs zu Gott und nehmen wir wahr, wo wir jetzt hingestreckt liegen, denn wer sein eigenes Fallen nicht kennt, kümmert sich kaum darum aufzustehen. Weil wir es aber wissen, rufen wir aus der Tiefe zum Herrn,
6 dass er uns die hilfreiche Hand seiner Barmherzigkeit reicht, jene Hand, die nicht zu kurz ist, um uns zu helfen.7 Verlieren wir doch nicht die Zuversicht, die großen Lohn mit sich bringt. „Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade“8, dass wir das Ziel des Glaubens erreichen, also das Heil unserer Seelen.9 Zögern wir nicht, schon ruft uns das Leben, es wartet auf uns das Heil, das Leiden drängt uns einzutreten. Was machen wir uns vor? Warum sind wir so faul? Warum zögern wir?

„Beeilen wir uns also, einzutreten in die Ruhe“
10 jener ewigen Freude, wo „Großes und Unergründliches da ist, Wunder, die niemand zählen kann“11.

„Es kehre Jerusalem wieder zurück in unsere Herzen“
12, lasst uns seufzen nach unserem Vaterland, lasst uns zur Höhe streben zu unserer Mutter, „lasst uns eintreten in den Tempel des Herrn“13 und unseren König schauen, der in Milde über alles regiert, sodass unsere Herzen weich werden durch sein Erbarmen.

1  Mt 11,28     2  Vgl. Mt 11,28.29   
3  Vgl. Hebr 4,12     4  Vgl. Ps 115,5-6   
5  Jes 5,20     6  Vgl. Ps 130,1   
Vgl. Jes 59,1      Hebr 4,16   
Vgl. 1 Petr 1,9     10  Hebr 4,11   
11  Ijob 5,9     12  Vgl. Jer 51,50
13  Ps 71,16


Quellenangabe:
Bonaventura, Epistola continens viginti quinque Memorialia, Prologus, Nr. 3-6, in: S. Bonaventurae Opera Omnia, t. VIII, Ad Claras Aquas 1898, 491f.

Responsorium
Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen, meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. * Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott.
V  Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere. * Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott.


Oder Auswahllesung:

Aus der Nicht-bullierten Regel des heiligen Franziskus, 9. Kapitel.

Vom Betteln um Almosen.

Alle Brüder sollen bestrebt sein, der Demut und Armut unseres Herrn Jesus Christus nachzufolgen. Und sie sollen beherzigen, dass wir von der ganzen Welt nichts anderes nötig haben als, wie der Apostel sagt, „Nahrung und Kleidung; damit sind wir zufrieden“1. Und sie müssen sich freuen, wenn sie sich unter unbedeutenden und verachteten Leuten aufhalten, unter Armen und Schwachen, Kranken und Aussätzigen und Bettlern am Wege.

Und wenn es notwendig werden sollte, mögen sie um Almosen bitten gehen. Und sie  sollen sich nicht schämen, vielmehr daran denken,  dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes
2, des Allmächtigen, sein Antlitz wie den härtesten Felsen gemacht hat3 und sich nicht geschämt hat. Und er ist arm gewesen und Gast und hat von Almosen gelebt, er selbst und die selige Jungfrau und seine Jünger.

Und wenn ihnen die Menschen Schmach antun würden und ihnen kein Almosen geben wollten, dann sollen sie Gott dafür danken; denn für solche Schmach werden sie große Ehre vor dem Richterstuhl unseres Herrn Jesus Christus erhalten. Und sie sollen wissen, dass die Schmach nicht denen angerechnet wird, die sie erleiden, sondern denen, die sie zufügen. Und das Almosen ist das Erbe und die Gerechtigkeit, die den Armen zusteht und die uns unser Herr Jesus Christus erworben hat. Und die Brüder, die sich abmühen, es zu sammeln, werden großen Lohn erhalten, und sie bewirken, dass auch die Spender ihn gewinnen und erwerben, denn alles, was die Menschen in der Welt zurücklassen, wird vergehen, aber von der Wohltätigkeit und den Almosen, die sie gegeben haben, werden sie ihren Lohn haben vom Herrn.

Und vertrauensvoll soll einer dem anderen seine Not offenbaren, damit er ihm das Notwendige ausfindig mache und verschaffe. Und jeder liebe und nähre seinen Bruder, wie eine Mutter ihren Sohn liebt und nährt; dabei wird Gott ihm Gnade schenken. Und „wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, verurteile den nicht,  der isst.“
4

Und wenn einmal Not über sie kommt, soll es allen Brüdern, wo sie auch sein mögen, erlaubt sein, sich aller Speisen zu bedienen, die Menschen essen können, wie der Herr von David sagt, der die Schaubrote aß, welche nur die Priester essen durften.5 Und sie sollen  beherzigen, was der Herr sagt: „Achtet aber auf euch selbst, dass eure Herzen nicht etwa durch Völlerei und Trunkenheit und von den Sorgen dieses Lebens beschwert werden und jener Tag nicht unversehens über euch hereinbricht; denn wie eine Schlinge wird er über alle kommen, die den Erdkreis bewohnen.“6

Ähnlich dürfen auch alle Brüder mit dem für sie Notwendigen zur Zeit offenkundiger Not verfahren, wie ihnen der Herr die Gnade schenkt; denn Not hat kein  Gebot.

1  Vgl. 1 Tim 6,8    Vgl. Joh 11,27  
3  Vgl. Jes 50,7     4  Röm 14,3
5  Vgl. Mt 12,4       6  Vgl. Lk 21,34-35


Quellenangabe:
Franziskus von Assisi, Nicht-bullierte Regel, Kap. 9, in: Franziskus-Quellen, hrsg. von D. Berg / L. Lehmann, Kevelaer 2009/14, 77f.

Responsorium
R  Dies ist die Erhabenheit der höchsten Armut, die euch zu Erben und Königen des Himmelreiches eingesetzt hat. * Denn Christus war arm und hat von Almosen gelebt.
V  Diese Armut soll euer Anteil sein, der hinführt ins Land der Lebenden. * Denn Christus war arm und hat von Almosen gelebt.

Oration
Herr und Gott, du hast den heiligen Bruder Felix von Nicosia gelehrt, sein Herz zu dir hin zu lenken und dir in Einfalt und Demut zu dienen. Verleihe uns gnädig, dass wir auf Erden sein Beispiel nachahmen, um auch an seiner Herrlichkeit im Himmel Anteil zu erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Kontakt

bernhard.frei@kapuziner.org