Sel. Bernhard von Offida         


    23. August

Ordensmann, I. Orden
* 1604 Offida, + 1694 Offida

 

Bernhard wurde am 7. November 1604 in Offida in den Marken geboren. Schon als Hirtenknabe pflegte er ein inniges Gebetsleben. Mit 22 Jahren wurde er Kapuziner und tat sich im eifrigen Streben um die franziskanischen Tugenden hervor.
Während seines langen Lebens war er Koch, Krankenbruder, Sammelbruder, Gärtner und Pförtner. Mit 65 Jahren wurde er als Sammelbruder nach Offida geschickt. Dort übte er seine Tätigkeit mit solcher Freude aus, verbunden mit Buße und apostolischem Eifer, dass er viele Menschen im Glauben stärkte.
Bernhard von Offida starb am 22. August 1694 und wurde von Papst Pius VI. im Jahr 1795 seliggesprochen.

Eröffnungsvers     Ps 92,13-14
Der Gerechte gedeiht wie die Palme, er wächst wie die Zedern des Libanon. Gepflanzt im Hause des Herrn, gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.

Tagesgebet
Gott, du hast deine Gebote zusammengefasst in dem einen:
     dich und die Brüder und Schwestern zu lieben.
Schenke uns Eifer und Kraft,
     dass wir den seligen Bernhard von Offida nachahmen,
und unser Leben
     dem Dienst am Mitmenschen widmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

LESUNG     1 Kor 1,26-31; 2,1-2
Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn.

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.

Brüder und Schwestern, seht doch auf eure Berufung!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
     um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
     um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
     um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.

Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
     den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
     zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.

Wer sich also rühmen will,
     der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.

Als ich zu euch kam, Brüder und Schwestern,
     kam ich nicht, um glänzende Reden
     oder gelehrte Weisheit vorzutragen,
sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen.
Denn ich hatte mich entschlossen,
     bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus,
und zwar als den Gekreuzigten.

Antwortpsalm     Ps 112,1-6
R
  Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist. – R

Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt *
und sich herzlich freut an seinen Geboten.
Seine Nachkommen werden mächtig im Land sein, *
das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet. 
– (R)

Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: *
der Gnädige, Barmherzige und Gerechte.
Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist, *
der das Seine ordnet, wie es recht ist. 
– (R)

Niemals gerät er ins Wanken; *
ewig denkt man an den Gerechten.
Er fürchtet sich nicht vor Verleumdung; *
sein Herz ist fest, er vertraut auf den Herrn. 
– (R)

Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nie; *
denn bald wird er herabschauen auf seine Bedränger.
Reichlich gibt er den Armen, †
sein Heil hat Bestand für immer; *
er ist mächtig und hoch geehrt. 
– R

Ruf vor dem Evangelium     Vers: vgl. Mt 18,4
Halleluja. Halleluja.
So spricht der Herr:
Wer so klein sein kann wie ein Kind,
er ist im Himmelreich der Größte.
Halleluja.

Evangelium     Mt 19,27-29
Die ihr alles verlassen habt und mir nachgefolgt seid, werdet das Hundertfache erhalten.

✠  Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sagte Petrus zu Jesus:
     Du weißt, wir haben alles verlassen
     und sind dir nachgefolgt.
Was werden wir dafür bekommen?

Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch:
Wenn die Welt neu geschaffen wird
     und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt,
werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid,
     auf zwölf Thronen sitzen
     und die zwölf Stämme Israels richten.

Und jeder,
     der um meines Namens willen Häuser
     oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder
     oder Äcker verlassen hat,
wird dafür das Hundertfache erhalten
     und das ewige Leben gewinnen.

Fürbitten
V
  Herr Jesus Christus, du hast die Armen und Demütigen seliggepriesen und ihnen das Himmelreich verheißen. Wir schauen auf das einfache Leben des seligen Bernhard von Offida und bitten dich:
V/A  Christus, erbarme dich.

-  Bewahre unsere Kirche vor äußerem Glanz und irdischer Macht.

-  Gib allen, die im öffentlichen Leben Verantwortung tragen, den Geist der Gerechtigkeit und des Friedens.

-  Sei den Kranken Kraft und Hoffnung, den Traurigen Trost und Freude, den Ängstlichen Mut und Zuversicht.

-  Schenke uns allen den Geist der Demut, der Einfachheit und Bescheidenheit.

Allmächtiger Gott, du hilfst dem Schwachen und schenkst dem Demütigen deine Gnade. Wir bitten dich um deine Hilfe durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.

Gabengebet
Nimm an, o Herr, die Gaben,
      die wir zu deinem Altar bringen.
Befreie uns von der Verführung
     und Eigensucht dieser Welt,
damit wir reich werden durch dich, unser einziges Gut.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Präfation     Von den Ordensleuten

Kommunionvers     2 Tim 2,11-12
Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben;
wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen.

Schlussgebet
Gütiger Gott,
am Tisch des Leibes und Blutes deines Sohnes
     haben wir das heilige Mahl gehalten.
Befreie uns von jeder Verführung durch die Sünde
und lass uns wachsen in deiner Liebe,
     damit wir einst voll Freude dein Antlitz schauen dürfen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.



Sel. Bernhard von Offida
 

LESEHORE

Commune:  Ordensleute
 

ZWEITE LESUNG

Aussage eines Zeugen zur Seligsprechung von Bruder Bernhard von Offida.

Ich war krank und ihr habt mich besucht.

Ich halte Folgendes fest im Auftrag, Zeugnis abzulegen für die überaus große Nächstenliebe des Dieners Gottes Bernhard von Offida gegenüber den Kranken und Gebrechlichen. Obwohl selber alt und schon hinfällig, ganz gelähmt und auf Hilfe angewiesen, unterließ er es nie, sich zum Wohl und Vorteil seiner Mitbrüder im Orden einzusetzen.

Das Wunderbare dabei war, dass er niemals eine Stütze brauchte, wenn er von Kopf bis zu den Füßen zitternd und mit Krücken sich fortbewegend den gebrechlichen Mitbrüdern das Essen brachte oder einen anderen Dienst verrichtete. Er brauchte niemals eine Stütze, da er von der Kraft der Nächstenliebe  gehalten  wurde,  und  die Teller, Krüglein und Tassen, die er gefüllt auf einem Tablett im Dienst an den genannten Pflegebedürftigen trug, wurden nie in irgendeiner Weise verschüttet.

Um die armseligen Kranken aufzumuntern, um ihnen irgendwelche Erfrischungen zu bringen, die ihnen zuweilen von Ärzten verordnet wurden, und um ihnen den Ekel zu nehmen, den die Krankheiten meistens hervorrufen, schmückte er das kleine Tablett, von dem die Kranken zu essen pflegten, mit Blumen. Für die Winterszeit, da die Blumen meistens fehlen, bewahrte er zur rechten Zeit kleine Ähren und wohlriechende Kräuter auf und richtete sie als Zierde. Während sie dann aßen, versuchte er, sie mit irgendeinem lustigen, geistreichen oder auch belanglosen Gespräch aufzurichten, wie er es für ihr natürliches Empfinden am geeignetsten hielt.

Wenn Kranke da waren, die das Essen nicht am Tischchen zu sich nehmen konnten, indem sie auf dem Bett saßen, machte er sich die Mühe, es ihnen einzugeben. Und wenn sie sich zu irgendeinem Bedürfnis erheben mussten, half er ihnen mit großer Liebe und Zuneigung, indem er ihnen genügend Kraft schenkte. Als er aber selber alt und hinfällig wurde, schenkte er die Liebe als solche.

Wenn die Krankheit eines Mitbruders dem Tod entgegenging oder er mehr als die übliche Hilfe beanspruchte, bat er den Pater Guardian, mit seinen Aufgaben einen anderen Bruder zu betrauen und ihm selbst die Erlaubnis zu geben, dass er sich nie mehr von der Zelle des Kranken entfernte. Sobald er die Erlaubnis des Oberen erhalten hatte, begab er sich in die Zelle des Kranken, und von dort entfernte er sich nicht mehr auch nur für einen Augenblick.

Wenn er aber abgeschieden in der Zelle war, die für den Krankendienst der Mitbrüder bestimmt war, unterließ er nie etwas von seiner Sammlung und dem Gebet, über das Verdienst hinaus, das er sich im Einsatz zum Wohl seines Nächsten erwarb. Von den Oberen erhielt er die Erlaubnis, ein Fensterchen in der Größe eines viereckigen Ziegelsteines zur Kirche hin zu öffnen. Daraus ergaben sich zwei Vorteile: zum einen, dass der Kranke von seinem Bett aus durch die Öffnung des Fensterchens die heilige Messe anhören konnte. Zum anderen konnte er so nicht nur allen Messen beiwohnen, die in der Kirche gefeiert wurden, sondern auch selber dauernd im Gebet verweilen, ohne das Allerheiligste aus der Sicht zu verlieren. Dies galt für jene Zeit, in der er nicht gerade mit dem Kranken beschäftigt war, den er jedoch nie aus dem Auge verlor.

Quellenangabe:
Dagli atti della Sacra Congregazione dei Riti. Ausculana, Beatificationis Summ., et Inform., Romae 1781, 38. 

Responsorium
R
  Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. * Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
V  Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. * Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt  in ihm.

Oration
Gott, du hast deine Gebote zusammengefasst in dem einen: dich und die Brüder und Schwestern zu lieben. Schenke uns Eifer und Kraft, dass wir den seligen Bernhard von Offida nachahmen und unser Leben dem Dienst am Mitmenschen widmen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Kontakt

bernhard.frei@kapuziner.org